Rose de Keruel

Agronomische und qualitative Eigenschaften

ROSE DE KERUEL ist eine ertragreiche Speisezwiebel, die sich durch besonders schmackhafte, mittelgroße, bronzerosafarbene Zwiebeln auszeichnet und dazu eine sehr gute Lagerfähigkeit mitbringt. All‘ dies führt zu einer hohen Anbauwürdigkeit, auch für den Erwerbsgartenbau. Die Zwiebelform ist rund bis breit-eiförmig und insgesamt sehr ansprechend und hübsch. Die Grundfarbe der Schale ist braun, die Beifarbe ist rosarot mit etwas weißlich changierendem Anteil, was ein interessantes Farbspiel ausmacht. Die Schalenfestigkeit ist gut. Der Halsabschluss ist gut abgesetzt (keine Neigung zu „Dickhälsen“) und dabei nicht eingesunken, sondern leicht abgerundet. Auch am Wurzelansatz ist die Zwiebel gut abgeschlossen, der Wurzelboden ist insgesamt klein.

Im Anbau ist ROSE DE KERUEL angenehm und leicht zu pflegen. Das Sortenbild ist uniform. Das Laub ist mittelgrün und sowohl in der Laublänge als auch in der Laubstärke im mittleren Bereich. Der Wuchs ist aufrecht, das Laub gesund. Die Reife ist früh bis mittelfrüh. So ist ROSE DE KERUEL insgesamt eine sehr anbauwürdige Sorte. Sensorisch ist ROSE DE KERUEL ein Erlebnis, eine ausgesprochene Feinschmeckerzwiebel!
Das Zwiebelfleisch ist sehr schmackhaft, mild und saftig, von weißer Farbe mit zartrosa Ringen. Die Ringe sind bis in die Mitte der Zwiebel recht gut durchgefärbt und ergeben im Anschnitt ein schönes Bild. Geschmacklich ist ROSE DE KERUEL sowohl für den Rohverzehr wie auch gekocht ausgesprochen lecker. Mit ihrer Süße und ihrem sehr runden und ausgeglichenen Aroma punktet sie in vielen Rezepten und besonderen Gerichten.

  • Herkunft der Ausgangssorte

    Aus einer Kultursaat-internen Sichtung bunter Zwiebelsorten im Jahr 2017 kam es zur ersten Begegnung mit der Ausgangssorte ROSÉ D‘ARMORIQUE. Neben anderen Sorten wurde das Saatgut damals von Germinance (biologisch-dynamischer Saatgutanbieter in Frankreich) bezogen. In dieser Sichtung präsentierte sich ROSÉ D‘ARMORIQUE sehr schön: sie war gleichmäßig, ertragreich, mit gutem Abreifeverhalten, dazu mild und harmonisch und sehr, sehr ansprechend im Geschmack und darüber hinaus auch noch gut lagerfähig. Im Katalog von Germinance wurde sie als Herkunft beschrieben, die bereits lange in der Bretagne erhalten wurde und so sehr gut an Boden und die klimatischen Verhältnisse dort angepasst war. Dies schien, den guten Ergebnissen in 2017 folgend, auch für den mitteldeutschen Raum zu passen, und so wurde ein weiterer Anbau in 2018 durchgeführt, welcher die Ergebnisse bestätigte. Der Entschluss, diese Sorte weiterzuverfolgen, war gefallen.

    Mit dem weiter wachsenden Interesse an der Sorte wurde in Kooperation mit der Bingenheimer Saatgut Kontakt zu dem französischen Vertriebspartner Germinance gesucht bzw. zu René Lea, dem derzeitigen bretonischen Erhaltungszüchter der Sorte ROSÉ D‘ARMORIQUE. Er und einige andere französische Erhaltungszüchter haben sich in der Vereinigung „Association Kaol Kozh“ zusammengeschlossen, um Sorten und Sortenvielfalt vor dem Verschwinden zu bewahren. Im Departement Finistère in der Bretagne (Leon) lebt allgemein eine traditionsreiche Kultur und tiefe Verbundenheit mit der Erhaltung regionaler Gemüse- und eben auch Zwiebelsorten, die über Generationen in Familien als Hof- und Regionalsorten gepflegt wurden. Mit der Zustimmung der französischen Erhaltungszüchter wurde vereinbart, dass auch unter dem Dach von Kultursaat weitere züchterische Selektionsschritte in dieser interessanten Population gemacht werden können und dürfen und die Sorte ggf. auch einer behördlichen Zulassung zugeführt werden kann, die sie bisher als regionale Herkunft nicht hatte.

    Die Erhaltungszüchter berichteten von einer langen, sehr anrührenden Vorgeschichte dieser Zwiebelsorte: ROSÉ D‘ARMORIQUE kam ursprünglich von der westafrikanischen Küste über Portugal in die Bretagne, und das vor bereits über 300 Jahren! (Siehe weitere Informationen unter: http://oignonderoscoff.fr/index.php/2017/05/16/histoire-aop-roscoff/.)

  • Ergebnisse von Qualitätsuntersuchungen

    In Untersuchungen zeigte sichROSE DE KERUEL als eine qualitativ hochwertige Zwiebel. Die Proben von ROSE DE KERUEL konnten in prägnanten und klaren Strukturen mit hoher Grundspannung und einer ausbreitenden, lebendigen Beweglichkeit, sowohl bei den Steigbildern als auch bei den Kristallbildern, eine hohe Qualität zeigen.

    Im Vergleich mit drei anderen Zwiebelsorten zeigte ROSE DE KERUELjedoch eine etwas geringere Substanzwirkung. Der milde und süße Geschmack und die saftige Konsistenz der Sorte ROSE DE KERUEL, beides Komponenten, die ihren guten Geschmack ausmachen, finden wiederum Ausdruck in einem vergleichsweise niedrigeren Trockensubstanzgehalt und ebenfalls in einem niedrigeren Brixwert. Bei den Bildschaffenden Methoden geht damit eine geringere Substanzwirkung einher, d.h. für die Steigbilder wird eine größere Menge an Substanz (Zwiebelsaft) benötigt, um vergleichbare Steigbilder abbilden zu können.

    In einem gegenüberstellenden Vergleich der Steigbilder von ROSE DE KERUEL mit den Steigbildern der Sorte CUISSE DE POULET (2019 am qualitativ höchsten bewertet), in jeweils einer Konzentrationsstufe niedriger, konnte jedoch sehr gut gesehen werden, dass sich fast identisch zu beschreibende Gesten dieser beiden Sorten abbildeten. Dadurch kann gesagt werden, dass ROSE DE KERUEL in dieser Untersuchung mit etwas mehr Substanz die gleiche als hochwertig zu beschreibende Qualität wie CUISSE DE POULET erreichte.

  • Züchtungsgang bei Kultursaat

    Die ersten Selektionsschritte bei Kultursaat wurden begonnen mit der Betrachtung der Zwiebelschalenfarbe, die von rosa bis weißlich changiert. Hier war die Frage nach vermeintlichen Unterschieden aufgekommen, von mehr rötlichen Typen bis mehr weißlichen Typen. In einem kleinen Extraversuch im Jahr 2018 wurde der Nachbau von auf diese Weise in unterschiedliche Farbsortierungen getrennte Fraktionen angelegt. Sie blühten gemeinsam ab, wurden dann aber bei der Saatguternte getrennt geerntet. In der Literatur werden mehrere zusammenwirkende, genetische Faktoren für die Ausprägung der Schalenfarbe beschrieben. Im Nachbau der unterschiedlichen Fraktionen im Jahr 2019 zeigten sich jedoch quasi keine Unterschiede zwischen den weißlicheren (Bild 3, links) und rötlicheren (Bild 3, rechts) Typen. Es war mehr die Schalenfarbe selbst, die von hell nach rötlichrosa changierte, auch von einer Seite zur anderen innerhalb einer Zwiebel und von einer Schale zur nächst inneren Schale. Insgesamt überwog das Rötlichrosa gegenüber dem weißen Farbton. 

    Aufgrund dieser Ergebnisse wurden die verschiedenen Erntepartien zusammengeführt und für die Saatguternte 2019 als Linie KS-Z-RdA weiter geführt.

    Während der Vegetation der Samenträger wurden aus diesem Bestand von ca. 1.000 Pflanzen zwei einzelne Abweicherpflanzen wegen ungewöhnlicher Vieltriebigkeit entfernt. In der Saatguternte 2019 konnten 700 g Elitesaatgut geerntet werden.

    Darüber hinaus wurde 2019 ein Selektionsbestand von ca. 8.000 Zwiebeln angelegt (für Saatguternte 2020). Ein weiteres Mal konnte die große Anbauwürdigkeit der Sorte wahrgenommen werden. Der Ertrag und auch die Gesundheit waren erneut erwartungsgemäß gut.

    In Bezug auf die Einheitlichkeit der Sorte konnte das Bild des derzeitigen Sortenzustandes in den 2019 geernteten Zwiebeln von KS-Z-RdA wie folgt beschrieben werden: 0,1 % Abweicher mit Gelbanteil in der Schale, 0,1 % suboptimal abgeschlossene Zwiebelhälse, ca. 3 % leicht unförmige Zwiebeln. 

    Diese Abweichungen sind bei Vergleichssorten (ROBELJA, BAJOSTA) ähnlich hoch bis höher. Insgesamt waren sowohl der Bestand als auch das Erntegut homogen. Aus dieser Zwiebelernte wurden Zwiebelproben von KS-Z-RdA und weiteren Linien sowie ROBELJA als Vergleichssorte zur Untersuchung mit Bildschaffenden Methoden gegeben (Ergebnisbericht weiter unten). 2021 wurde ein Vergleich der zwei laufenden Elitepartien angebaut. Die zwei Partien ließen keine großen Unterschiede erkennen. Für 2022 wurde eine neue Eliteproduktion mit Saatguternte 2023 angelegt.

    Der Anbau zur Selektion und die Blüte fanden während der gesamten Entwicklungszeit unter zertifiziert biologisch-dynamischen Bedingungen im Betrieb Wedemeyer statt.

    ROSE DE KERUEL wurde im August 2022 vom Bundessortenamt zugelassen. Die Erhaltungszucht findet durch Silke Wedemeyer statt. Die Organisation der Vermehrung und der Vertrieb des Verkaufssaatguts obliegen u. a. der Bingenheimer Saatgut AG.

  • Besonderer Sortenname

    Für die Namensgebung der Sorte ROSE DE KERUEL war es ein Anliegen, die berührende, lange Vorgeschichte und die beteiligten Menschen zu würdigen. In diesem Fall war es Louis Keruel, der die Sorte erhalten hatte und dieses Engagement bis in die Enkelgeneration weiter verankern konnte. Louis Keruel war schon in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts vom Gedanken eines lebendigen, biologischen Anbaus beseelt. Als er im ersten Weltkrieg in der französischen Besatzungszone in Deutschland war, bemerkte er, dass in Rebgärten an den Reihenenden der Weinstöcke Rosen gepflanzt waren und dies zur Verminderung von Blattlausschäden führte. Er hatte Stecklinge der Rosen mit nach Frankreich gebracht und sie am Rand seiner Artischocken-Felder gesteckt. Zeit seines Lebens haben die Gegenspieler der Blattläuse für ihn gearbeitet, sie haben sich auf den Rosen vermehrt und schützten die Artischocken gegen die schwarzen Blattläuse, die später kamen. Noch heute zieren ein paar dieser Rosen die Böschungen in der Nähe von Plouescat, so berichtete sein Enkel, der heutige Erhalter in der Bretagne.


Rechtlicher Status: Rose de Keruel wurde nach Registerprüfung im August 2022 durch das Bundessortenamt mit der Kennung Z 364 zugelassen.

Saatgutanbieter: Bingenheimer Saatgut

Züchterin: Silke Wedemeyer



Sortenbiografie