Utila

Agronomische und qualitative Eigenschaften

Utila ist eine kräftig wachsende, rote, normalfrüchtige Stabtomate für den Freilandanbau mit hoher Toleranz gegenüber der Kraut-und Braunfäule (Phytophthora infestans). Die gesunden, zweikammrigen, roten Früchte sind rundoval und platzfest. Das Ertragspotential ist hoch mit einem durchschnittlichen Fruchtgewicht von 80-100 g. Utila zeichnet sich durch eine mittelfrühe Reife und einen angenehm aromatischen, säurebetonten Geschmack aus. Die wuchskräftigen, übersichtlich wachsenden, mindestens 190 cm hohen Pflanzen haben einfach gefiederte Blätter („kartoffelblättrig“). Die Sorte ist für einen erwerbsmäßigen Freilandanbau für Marktgärtner geeignet. 

  • Ergebnisse aus dem Versuchsanbau

    Im Jahr 2023 wurde Utila im Versuchsanbau der Bingenheimer Saatgut AG geprüft. Positiv bewertet wurde der schöne, harmonische Pflanzenwuchs mit den Kartoffelblättrigen Blättern und der gute Ertrag. Teils zeigte sich ein Korkfleck an den Früchten. Im Lagerversuch zur Haltbarkeit gab es nach sieben Tagen 37% Ausschuss und nach 10 Tagen nochmals 22%. In der Sensorik der Bingenheimer Saatgut zeigte Utila ein ausgewogenes Süße/Säure-Verhältnis auf mittlerem Niveau. Das Tomatenaroma war auf hohem Niveau und von mittlerer bis hoher Intensität. Der Geschmack wurde überwiegend als harmonisch und vielschichtig wahrgenommen. Die Sorte wies eine weiche bis mittlere Hautdicke auf. Die Textur der Probe wurde überwiegend als mehlig bewertet, vermehrt mit einem schmelzenden und geleeartigen Mundgefühl. In der Gesamtbeliebtheit erreichte Utila ein hohes Niveau.

  • Züchtungsgang

    Das Züchtungsprojekt startete 2012 mit dem primären Ziel einer Phytophthora-toleranten, roten Fleischtomatensorte. Dafür wurden Dorenia und ein langjähriger Nachbau der Sorte Royale des Guineaux in den Nachbau von zwei asiatischen Fleischtomatenlinien eingekreuzt. Das Ausgangssaatgut stammte aus eigener Erhaltungszüchtung (Dorenia), von der Firma Ferme de Sainte Marthe (Royale des Guineaux) sowie aus Probesaatgut eines Züchterkollegen (asiatische Fleischtomatenzuchtstämme). 

    2013 traten in der F1 überraschend gelbfrüchtige sowie kartoffelblättrige Typen auf. Daraus ließ sich schließen, dass sich bereits 2011, im Versuchsanbau der asiatischen Fleischtomatenzuchtstämme, die benachbart angebaute gelbe, kartoffelblättrige Tomatensorte Clou (aus züchterischer Weitergabe von Dreschflegel e.V.) unbeabsichtigt eingekreuzt haben musste. Fleischtomaten haben eine im Vergleich zu anderen Tomatentypen relativ offene Blüte und weisen daher eine Tendenz zur Fremdbestäubung auf. Der weitere Züchtungsgang bestand über sieben Jahre (2014 - 2021) jeweils in der Selektion von Einzelpflanzen und deren Nachbau in Einzelpflanzen-Nachkommenschaften in rotfruchtigen und gelbfruchtigen Zuchtlinien. 

    Neben den aus den Kreuzungen stammenden Fleischtomatenlinien wurden auch normalfrüchtige Linien, die vom Fruchttyp Dorenia ähnelten, in kleinerem Umfang nachgebaut und selektiert. Da sie 2021 eine deutlich bessere Phytophthora-Toleranz als Dorenia aufwiesen, wurden ab 2022 sechs Linien gesondert als Kultursaat-Projekt weitergeführt: durch Einzelpflanzenselektionen (jeweils mindestens zehn Pflanzen) und Nachkommenschaftsprüfungen (mit jeweils vier bis acht Pflanzen). Unter diesen befanden sich neben Linien mit doppelt gefiederten Blättern auch kartoffelblättrige Linien, die auf die spontane Einkreuzung der kartoffelblättrigen, phytophthora-toleranten Sorte Clou zurückgehen. Die Sorte Utila geht auf eine dieser kartoffelblättrigen Linien zurück. 

    Die Sorte Utila wurde als Salattomatenprojekt bearbeitet. Hierbei bestand das Zuchtziel in der Entwicklung einer Phytophthora-toleranten Sorte für den Freilandanbau mit möglichst platzfesten Früchten von über 70 g Fruchtgewicht und guter Geschmacksqualität. Bei der Geschmacksselektion wurde auf ein ausgewogenes Süße/Säure-Verhältnis, tomatentypisches Aroma und möglichst geringe Mehligkeit geachtet. 

    Anbau, Selektion und Samenbau fanden während des gesamten Züchtungsganges auf den langjährig biologisch-dynamisch bewirtschafteten Flächen des Dottenfelderhofes statt.

    Die Sorte Utila wurde im Februar 2026 vom Bundessortenamt als Amateursorte gemäß Richtlinie 2009/145/EG zugelassen. Die Erhaltungszucht findet durch Christoph Matthes am Dottenfelderhof statt. Die Organisation der Vermehrung und der Vertrieb des Verkaufssaatguts obliegen u. a. der Bingenheimer Saatgut AG.


Rechtlicher Status: Utila wurde im Februar 2026 vom Bundessortenamt als Amateursorte gemäß Richtlinie 2009/145/EG mit der Kennung TOT 476 zugelassen.

Saatgutanbieter: Bingenheimer Saatgut

Züchter: Christoph Matthes