Rodelika
Agronomische und qualitative Eigenschaften
RODELIKA ist eine stark wachsende Wasch-, Lager-, und Verarbeitungsmöhre mit kräftigem dunkelgrünem Laub vom Typ Rote Riesen. Die Rüben sind groß, leicht konisch, gut abgestumpft und glattschalig, mit intensiv orangeroter Außenfarbe und gleichmäßiger Durchfärbung.
RODELIKA eignet sich gut sowohl für den Industrieanbau als auch für die Einlagerung als Handelsmöhre. Bei Aussaat Mitte April bis Anfang Mai ist sie in 140 - 150 Tagen gut ausgereift. Eine gute Dammkultur ist die beste Voraussetzung für qualitativ hochwertige Möhren. Mit schweren Böden kommt die Sorte gut zurecht. Der Ertrag ist mittel bis hoch. In den Jahren 2007 und 2008 lagen die Gesamterträge auf dem Dottenfelderhof zwischen 650 - 750 dt/ha.
RODELIKA hat einen kräftigen, charakteristischen Möhrengeschmack mit starker Süße und eignet sich deshalb besonders für hochwertige Säfte. Sie hat eine starke innere Lebendigkeit mit sehr positiven Ernährungseigenschaften.
Auch im Rahmen einer Wertprüfung des Bundessortenamtes 1998 / 99 überzeugte die Sorte RODELIKA durch hohe Qualitätsmerkmale und guten Geschmack (HEINE, 2000).
Bei Qualitätsuntersuchungen hat RODELIKA immer wieder Spitzenqualität gezeigt, nämlich unter anderem hohe Zuckergehalte, niedrige Nitratwerte und besten Wohlgeschmack.
Quelle:
HEINE, H., 2000: Ergebnisse von Sortenprüfungen mit Dauermöhrensorten. Gemüse (9), 15-17.
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Ergebnisse aus dem Versuchsanbau
Bei Sortenversuchen unter Ökolandbaubedingungen an der Universität Kassel (Witzenhausen) wurde neben auffallend gesundem Laub und exzellenter Beurteilung mittels Bildschaffender Methoden auch die gute Lagerfähigkeit von RODELIKA festgestellt (FLECK et al., 2001).
Rückmeldungen der Bingenheimer Saatgut AG aus dem Praxisanbau:
In der Regel sehr hohe Brixwerte und gutes Aroma. Stabiles Laub, gut zu ernten mit Klemmbandroder. Der Geschmack wird überwiegend gelobt. Einzige Sorte mit stabiler "Sortenvermaktung" (Tegut, Weiling u.a.)Quelle:
FLECK et al., 2001: Samenfeste Sorten oder Hybriden – Anbauvergleich von Möhren unter den Verhältnissen des Ökologischen Landbaus. In Reents, H. J. [Hrsg.]: Beiträge zur 6. Wissenschaftstagung zum Ökologischen Landbau, Freising-Weihenstephan, 253-256. -
Ergebnisse von Qualitätsuntersuchungen
Bei mehrmaligen Untersuchungen mit Bildschaffenden Methoden von Frau Dr. BALZER-GRAF hat sie wiederholt als qualitativ beste Möhre abgeschnitten. Bei der Untersuchung mit Bildschaffenden Methoden und der direkten Bildekräfteuntersuchung angehängt an das Forschungsprojekt: „Vergleichende Qualitätsuntersuchungen von alten und neuen Gemüsesorten zur Entwicklung von Zuchtzielen für den ökologischen Gemüsebau“ (FKZ 02OE027) in den Jahren 2002 und 2003 zeigte RODELIKA ebenfalls hervorragende Eigenschaften. Die direkte Bildekräfteuntersuchung zeigte einen totalen Umschwung von der mineralisch geprägten Ausgangssorte zu der stark belebten und bewegten, harmonischen Sorte RODELIKA. Hierbei wurde der Wert des Anbaus im biologisch-dynamischen Umfeld, d.h. in einem in sich geschlossenen Betriebsorganismus und der Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate besonders deutlich.
Bei der Ausstellung „Die Qualität unserer Nahrung“ des Vereins Kultursaat, einer Sortenpräsentation im Ökogemüsemarkt, rangiert RODELIKA an vorderer Stelle.
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Züchtungsgang
RODELIKA ist durch Selektion aus der Sorte ROTHILD (Fa. HILD), einer Sorte der ROTE-RIESEN-Gruppe, im Rahmen züchterischer Arbeiten auf dem Demeter-zertifizierten Dottenfelderhof hervorgegangen. Die Entscheidung für eine von mehreren der bereits im biologisch-dynamischen Umfeld entwickelten Linien erfolgte im Jahr 1985. Seit 1990 wurde nach der Selektion auf morphologische Eigenschaften und Farbe auch Geschmacksselektion betrieben. Schon im ersten Schritt konnte ein deutlicher Geschmacksvorteil konstatiert werden (PESCHKE, 1994).
In einer „Jahresarbeit“ (einem Projekt) über zwei Jahre im Rahmen der Landbauschule Dottenfelderhof konnten von M. GEITH 1997/98 Zusammenhänge zwischen Blattgestalt und Möhrenqualität festgestellt werden. Von 1999 bis 2002 konnte in einer daran anschließenden Forschungsarbeit im Rahmen des Persphoneia-Institutes, Kassel bzw. im Rahmen des Vereins Kultursaat von A. WEIDRINGER diese morphologischen Zusammenhänge z.T. bestätigt, und teilweise neue dazu gewonnen werden. Zusammen mit den praktischen Erfahrungen der Geschmacksselektion an Möhren ergaben sich – auf Grundlage der goetheanistisch-anthroposophischen Pflanzenanschauung – breite Möglichkeiten einer gezielten Selektionsarbeit.
Nach 17 Jahren biologisch-dynamischem Anbau und Züchtung erteilte das Bundessortenamt im Jahr 1998 die Zulassung der Sorte. Die Erhaltungszüchtung geschieht auf dem Dottenfelderhof. Die Erstellung des Elitesaatgutes findet auf dem Dottenfelderhof oder im Auftrag auf anderen Demeter-Betrieben statt. Die Organisation der Vermehrung sowie der Vertrieb des Verkaufssaatgutes obliegen u. a. der Bingenheimer Saatgut AG.
Quelle:
PESCHKE, J., 1994: Inhaltsstoffe und Anfälligkeit von Möhren im Nacherntestadium unter dem Einfluss von Sorte, Herkunft und Anbaubedingungen. Dissertation Universität Gießen.
Rechtlicher Status: Rodelika wurde nach Registerprüfung im Dezember 1998 durch das Bundessortenamt mit der Kennung MOG 114 zugelassen.
Saatgutanbieter: Bingenheimer Saatgut, Sativa Rheinau, ReinSaat
Züchter: Dietrich Bauer
Sortenbiographie




