Thüla
Agronomische und qualitative Eigenschaften
THÜLA ist ein Knoblauch vom Softneck-Typ und gehört zur Gruppe der Silverskin. Diese Gruppe kennzeichnet eine späte Ernte und eine sehr lange Haltbarkeit (unter guten Lagerbedingungen bis März). THÜLA ist für den Herbstanbau geeignet.
Die ca. 11 bis 15 kleinen Zehen sind in mehreren Lagen symmetrisch angeordnet, wobei die letzte äußere Zehe oft extra steht. Die Zwiebelhaut ist weißlich mit gelblicher oder hellbrauner Zeichnung. Die gleichmäßigen Knollen wirken sehr ansprechend. Die Zehen haben eine sehr feine leicht rosa gefärbte und dicht anliegende Zehenhaut. Das Aroma ist fein und vollmundig mit einer Schärfe, die noch gut zum rohen Verzehr geeignet ist. Die Sorte wurde von vielen Menschen als sehr bekömmlich beschrieben.
THÜLA ist auffällig robust und zeigt eine gewisse Virustoleranz gegenüber Poty-, Alexi- und Carlaviren. Weiterhin konnte eine Widerstandsfähigkeit gegenüber einem Befall mit Minierfliegen (Lyromyza ssp.) und Gallmilben (Aceria tulipae) beobachtet werden.
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Ergebnisse von Qualitätsuntersuchungen
In den Jahren 2016 und 2019 wurden THÜLA und andere Knoblauchsorten neben der aus meristemnaher Vermehrung stammenden Referenzsorte THERMIDROME mit Bildschaffenden Methoden untersucht. Die Ergebnisse der beiden Untersuchungsjahre waren nahezu identisch. Die geringste Substanzwirkung und Formintensität zeigte THERMIDROME. Im mittleren Qualitätsbereich wurde die Sorte VEKAN eingestuft. THÜLA und zwei weitere Sorten wurden als qualitativ sehr hochwertig beschrieben, wobei THÜLA ein leichtes Ungleichgewicht von Substanzwirkung und Formintensität aufwies. Die höchste Qualität zeigte LJUBASHA mit hoher differenzierter Substanzwirkung und einer kraftvollen gleichmäßigen Formintensität.
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Züchtungsgang
Aus Ermangelung an Alternativen (sowohl von Sorten als auch Pflanzgut) wird auf biologisch wirtschaftenden Betrieben fast ausschließlich Knoblauch aus Meristemvermehrung angebaut. So bestand die Intention, einen robusten, widerstandfähigen, im Ertrag stabilen und an unsere Witterungsbedingungen angepassten Knoblauch zu selektieren.
THÜLA ist das Ergebnis einer seit 2008 durchgeführten Auslese aus der THÜRINGER LANDSORTE (Herkunft Chrestensen) auf dem biologisch-dynamischen Betrieb in Lindewerra, gelegen an der ostthüringischen Grenze. Die Selektion auf kräftige vitale Pflanzen erfolgte mittels positiver Massenauslese aus größeren Beständen (je nach Anbaujahr zwischen 70 und 200 qm). Die nach dem Trocknen vorselektierten Knollen wurden zum Pflanzzeitpunkt (im Herbst) einer weiteren gründlichen Selektion unterzogen. Von 2016 bis 2019 konnte THÜLA bzw. sein Vorläufer unter der Bezeichnung Thüringer in ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) gefördertes Verbundprojekt mit dem Titel „Entwicklung von Verfahren zur Reduzierung virusbedingter Qualitätsmängel bei Züchtung und Vermehrung von Knoblauchpflanzgut“ aufgenommen werden. Das ermöglichte einerseits weitere Selektionen, andererseits konnten durch intensive Untersuchungen auf Viren sowie Ertragsmessungen über drei Jahre die Stärken dieser Sorte herausgearbeitet werden. THÜLA zeigte sich auffällig robust im Vergleich zu anderen Knoblauchherkünften mit einer allgemeinen Virustoleranz gegenüber den ertragsmindernden Potyviren, aber auch gegenüber Alexi- und Carlaviren. Bezüglich des Ertrags zeigte sich THÜLA sehr stabil und kann als nachbaufähig beschrieben werden. Der Ertrag lag „nur“ im guten Mittelfeld, hielt sich dafür aber über die drei Projektjahre konstant.
Ende März 2021 wurde Thüla vom Bundessortenamt als Amateursorte gemäß Richtlinie 2009/145/EG zugelassen. Die Erhaltungszucht findet durch Sonja Lange statt. Die Organisation der Vermehrung und der Vertrieb des Pflanzgutes obliegen u.a. der bingenheimer saatgut.
Rechtlicher Status: Thüla wurde im März 2021 vom Bundessortenamt als Amateursorte gemäß Richtlinie 2009/145/EG mit der Kennung KNO 22 zugelassen.
Saatgutanbieter: Bingenheimer Saatgut
Züchterin: Sonja Lange
Sortenbiografie

