Clarabell
Agronomische und qualitative Eigenschaften
Feldsalat Clarabell hat ein aufrechtes, mittelgrünes, glänzendes Blatt. Die einzelnen Blätter sind eher kurzstielig und breit mit guter, aufrechter Tendenz und guter Bodenfreiheit, wodurch sie weniger verschmutzen. Die Blätter wurden besonders auf „löffelfreie“ Merkmale selektiert und zeigen einen kompakten Blattaufbau. Das Einzelpflanzengewicht ist gut (bis 610 g/lfm, ca. 1 kg/m²). Insgesamt zeigt Clarabell etwas weniger Ertrag als ELAN und wiederum mehr als Verte de Cambrai. Clarabell ist eine mittel bis schnell wachsende Sorte (Entwicklungszeit Pflanzung bis Ernte ca. 20-24 Tage) mit Erntereife bis zu zehn Tage vor ELAN. Durch die nicht auftretende Löffelblättrigkeit ist sie eine bestechende Sorte für den frühen Herbstanbau im Freiland und Gewächshaus.
Der Geschmack ist gut, kernig, kräftig, feldsalat-typisch vor allem auf Sandboden, aber milder als Verte de Cambrai. Durch den milden Anteil wird das Aroma von Clarabell bei warmer Witterung nicht bitter, sondern eher intensiver.
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Ergebnisse aus dem Versuchsanbau
Neben den unten ausgeführten positiven Qualitätsbeschreibungen dieses Feldsalates gaben drei Züchterkollegen gute Rückmeldungen aus dem Versuchsanbau, und auch die Gärtnereien aus den Praxisversuchen stellten zufriedenstellende Ergebnisse fest. Hier zeigte sich im Vergleich noch einmal die Schnelligkeit von Clarabell. Außerdem gab es gute Rückmeldungen für den frühen Gewächshausanbau und den Freilandanbau im Herbst (2021). Geprüft wurden Aussaaten ab 15. Juli (mit Pflanzen, die vorher im Kühlraum ankeimten, aber auch Direktsaaten).
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Ergebnisse aus Qualitätsuntersuchungen
Eine Bildekräfteuntersuchung durch Antje Schmidt im Jahr 2019 beschrieb die Charakteristik von Clarabell als „aufrecht lichtvoll, gehaltenes, formstarkes, harmonisches, eher schmales Schwingen, das sich aus der Horizontalen in die Aufrechte begibt, Kraft in den Gliedern sammelnd, Bezug zur Vertikalen zeigend und schenkend, darin stärkend“.
In Untersuchungen mit Bildschaffenden Methoden durch Gaby Mergardt im Jahr 2021 zeigte Clarabell in den Kupferchlorid-Kristallisationsbildern äußerst prägnante Nadelzüge, die koordiniert, lebendig bewegt und mit gleichmäßigem Schwung die Bilder durchstrahlten. Es zeigte sich eine hohe Produktqualität. In den Steigbildern konnte bei Clarabell eine höhere Formintensität als bei der untersuchten Vergleichslinie festgestellt werden. Clarabell zeigte sich in aufrechten und schon beinahe in sich selbst tragenden Strukturen im Fahnenbereich, während die Vergleichslinie salattypisch verquollene Strukturen ohne Grundspannung bildete.“
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Züchtungsgang
Clarabell geht auf die Sorte Juwabel der Firma Juliwa zurück. Im Zeitraum 2004 und '05 gehörte Juwabel zu den Sorten im oberen Mittelfeld und war in vielen Versuchsanbauten konventioneller Anbieter enthalten. Als sie aus den Katalogen verschwand und die Firma Juliwa verkauft wurde, wurde die Sorte 2009 zur Sicherung von Ausgangsmaterial für künftige Züchtung in das vereinseigene Sortenarchiv von Kultursaat eingelagert. 2012 fiel JUWABEL in einem Kultursaat-internen Feldsalatversuch im Herbstanbau positiv auf: In diesem für den Feldsalatanbau herausfordernden Erntefenster, das besondere Fähigkeiten in puncto Keimung bzw. Brechen der natürlichen Keimhemmung bei Hitze sowie ein sich gerade entfaltendes Blatt verlangt, dass sich nicht durch Hitzestress zusammenrollt, konnte die Sorte punkten.
Ab Winter 2013/2014 startete die züchterische Bearbeitung der Ausgangssorte Juwabel. Im ersten Jahr wurde sie am biologisch-dynamisch bewirtschafteten Kultursaat-Standort Oldendorfer Saatzucht angebaut und selektiert. Ab dem darauffolgenden Jahr wechselte die Züchtungsarbeit zum nahegelegenen Demeter Betrieb Gärtnerei Kronacker. Zuchtziele waren insbesondere, die Anbaueignung für den frühen Herbstanbau im Freiland zu verbessern sowie der damit einhergehenden Verbesserung des Blattes (Löffelfreiheit). Hinzu kamen weitere agronomische Merkmale wie Blattgröße, Glanz und eine Toleranz gegenüber falschen Mehltau. Unter Bedingungen außergewöhnlich trockener oder staunasser Böden wurde vereinzelt Löffelhaltung beobachtet.
Als starker Selbstbestäuber ist der Spielraum der Entwicklung bei Feldsalat nicht so groß. Jedoch war auffällig, dass Verzweigungstendenz, Schossanfälligkeit sowie Vergilben sich durch Umgebungseinflüsse veränderten. Hier zeigten sich Unterschiede in den Nachkommenschaften. In manchen Jahren gelang nur eine negative Massenauslese, aber mit wärmer werdenden und längeren Herbstzeiten konnte auch die Züchtungsintensität verbessert werden, und es gelangen mehrmals Einzelpflanzenselektionen.
In allen Jahren wurde mit einem Bestand von 120 m² gearbeitet. Die Pflanzen wurden zur besseren Beurteilung einzeln mit großem Abstand (10-20 cm) angebaut und zwei Mal selektiert. Vor dem Winter wurde das Augenmerk auf die besonderen Merkmale der Linie wie Löffelblattfreiheit, kein Vergilben und Mehltau-Befall (als negative Selektion) gelegt. Im Frühjahr wurden dann noch einmal schwache Pflanzen ausgemerzt. In guten Winterjahren, nämlich ohne Pilzdruck, extreme Februarkahlfröste und Frühjahrsostwinde, die die anfangende Blüte extrem schwächten, konnte das Saatgut von Einzelpflanzen mit Prüfung der Nachkommenschaften gewonnen werden. Bei schwierigen Überwinterungsbedingungen wurde das Saatgut der verbleibenden Elitepflanzen im Frühjahr als Ramsch gemeinsam beerntet. Das war der Fall in den Wintern 2013/'14 sowie 2014/'15. 2015/16 konnte erstes Premiumsaatgut gewonnen werden, sodass ein erster Versuch gestartet wurde. Die Untersuchungen mit Bildschaffenden Methoden wiesen jedoch noch auf Entwicklungsbedarf der Linie hinsichtlich der Nahrungsmittelqualität hin. Mit einer soliden Präparatearbeit, vor allem mit Hornkiesel, konnte die Qualität der Linie in den Folgejahren verbessert werden. Nach einer weiteren Einzelpflanzenselektion in der Saison 2017/'18 konnten in den Generationen 2019/'20 und 2021/'22 Einzelpflanzenprüfungen durchgeführt bzw. Nachkommenschaften beurteilt werden. Bis zur behördlichen Sortenanmeldung durchlief die Linie insgesamt fünf Selektionsschritte bzw. Generationen.
In jedem Selektionsschritt wurde der Geschmack verkostet. Dieses Vorgehen diente jedoch nur als Korrektiv und nicht als Selektionsmerkmal, da die Linie bereits über ein gutes Aroma verfügte. 2017 wurde eine interne Verkostung mit den Mitarbeitern des angegliederten Abo-Betriebs am Kronacker durchgeführt. Seitdem wurde die Linie am Kronacker angebaut und an die Kunden vermarktet.
Clarabell wurde im Januar 2025 vom Bundessortenamt zugelassen. Die Erhaltungszucht findet durch Annette Maaß statt. Die Organisation der Vermehrung und der Vertrieb des Verkaufssaatguts obliegen u. a. der Bingenheimer Saatgut AG.
Rechtlicher Status: Clarabell wurde nach Registerprüfung im Januar 2025 durch das Bundessortenamt mit der Kennung SAF 72 zugelassen.
Saatgutanbieter: Bingenheimer Saatgut
Züchterin: Annette Maaß
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