Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof
Dachau, Bayern

Julian: „Begeisterung für das vollständige Erleben einer Gemüsepflanze zwischen der Konzentration im Samenkorn und der Ausdehnung im jährlichen Wachstum und die Frage nach der Qualität unserer Nahrungspflanzen – das bringt mich voran.“
Urban: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ (Karl Valentin)
DER BETRIEB
Der Obergrashof liegt nordwestlich von München im Dachauer Moos, eine in den letzten 150 Jahren trockengelegte Moorgegend. Die flache Landschaft ist charakterisiert durch viele Wasserläufe und Wasserflächen. Als gestaltende Elemente kommen Feldhecken, Baumreihen, Waldstücke und Dauergrünland dazu. Das Grundwasser steht bei 1,80 m im Kalkschotter, der anmoorige Oberboden ist schwarz mit einem Humusgehalt von ca. 20 %. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8,5 °C, der Niederschlag bei 650 mm, die Höhe bei 485 m über NN. Der Demeter-Betrieb bewirtschaftet 148 ha (40 ha Gemüse sowie Grünland für die Versorgung der Mutterkuhherde). Die Vermarktung läuft über den Bio-Großhandel und regionale Abokisten. Die Saatgutarbeit ist seit Hofgründung 1991 Bestandteil des Betriebes – seit dem Jahr 2021 eigenständig unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins „Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof“.
DIE ZÜCHTER
Seit 1986 beschäftigt sich Julian Jacobs mit Saatgutarbeit. Für ihn sollen die äußere Qualität einer Sorte – die dem Gärtner einen sicheren und angemessenen Ertrag bieten muss – und die inneren Werte eine harmonsiche Einheit bilden. Durch Auslese von hervorragenden Einzelpflanzen und einem deren Lebenskräfte stärkenden Umgang, arbeitet Julian Jacobs daran, die Pflanzenentwicklung umfassend zu fördern. Daraus erwächst eine harmonisch-kräftige Lebendigkeit, die ihren Ausdruck in vollem Geschmack und guter Bekömmlichkeit findet. Die Nahrungspflanze bietet so die Grundlage für eine umfassende Entwicklung des Menschen. Wesentlicher Bestandteil der Arbeit sind in den letzten Jahren Projekte der Grundlagenforschung geworden. Im Jahr 2018 ist Urban Ewald in die Züchtungsarbeit am Obergrashof eingestiegen. Neben der praktischen Züchtungsarbeit beteiligt er sich an verschiedenen Projekten zur Etablierung samenfester Sorten entlang der Wertschöpfungskette sowie zur Ausgestaltung solidarischer Handelsbeziehungen in der Bio-Branche.
ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Der großflächige Erwerbsgemüsebau am Obergrashof bietet gute Möglichkeiten für die Selektion der Samenträger. Gleichzeitig ist eine stetige Rückkoppelung der Züchtungsarbeit mit den Anforderungen in Anbau und Vermarktung gegeben. Seit Beginn seiner Züchtungsarbeit begleitet Julian Jacobs der Blumenkohl. Daraus entstanden sind bisher die Kultursaat-Sorten Odysseus, Nuage, Tabiround Daniel. Bei Kohlrabi gibt es bisher die Neuzulassungen Rasko, Fridolinund Orinoko, beim Rettich die Sorten Laurinund Edwardund bei Chicorée die Sorten Etardo und Schriek. Außerdem in züchterischer Bearbeitung sind Möhre, Fenchel, Grünkohl und Spinat.
