Robert Hahn-Godeffroy

Waddeweitz, Niedersachsen

„Die Erhaltung und Weiterentwicklung samenfester Sorten, die den Menschen in Gänze nähren, sehe ich als ein grundlegendes Streben für die Erschaffung einer enkeltauglichen Landwirtschafts-Kultur.“

DER BETRIEB
Die Gärtnerei Marlin liegt im Herzen des niedersächsischen Wendlandes auf 45 m über NN. Biologisch-dynamisch bewirtschaftet werden 3,95 ha humose Sandböden (2,25 ha Acker, 1,6 ha Grünland, 1.100 m2 unter Glas) bei mittlerer Jahrestemperatur von 9,2 °C und mittlerem Niederschlag von 548 mm. Hauptstandbein des 2018 gegründeten Betriebes ist die solidarische Landwirtschaft mit 80 Anteilen, für welche rund 60 Gemüsekulturen, Kräuter und Blumen angebaut werden. Des Weiteren werden Jungpflanzen aus ausschließlich samenfestem Saatgut für den eigenen Anbau, andere Erwerbsbetriebe sowie Hobbygärtnerinnen angezogen. Die Vermehrungsund Züchtungsarbeit an verschiedenen Gemüsekulturen findet integriert in die solidarische Landwirtschaft statt.

DER ZÜCHTER
Den Einstieg in die Landwirtschaft fand Robert Hahn-Godeffroy 2003 mit einer Ausbildung zum Landwirt. Es folgte das Bachelor-Studium der ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen, wo er Dank der biologisch-dynamischen Stiftungsprofessur seine Kenntnisse in dieser Bewirtschaftungsform vertiefen konnte. Er sammelte erste Eindrücke und Erfahrungen in der Züchtung und Vermehrung von Gemüsekulturen bei verschiedenen Betrieben des Dreschflegel e.V. Nach Abschluss des Studiums leitete er für rund ein Jahr den Gemüsebau auf Gut Rothenhausen. 2012 nahm er das Ökolandbau-Studium erneut auf und absolvierte 2015 seinen Master of Science. Parallel arbeitet er als Geselle im Saatgutbetrieb von Q. Wember (Dreschflegel e.V.) und nahm an der Fortbildung zur biologisch-dynamischen Pflanzenzüchtung von Kultursaat teil. Seit 2018 ist er Betriebsleiter der Gärtnerei Marlin mit der klaren Ausrichtung, die züchterische Arbeit sowie die Vermehrung in den Erwerbsanbau zu integrieren.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Die selbständige Züchtungsarbeit begann 2018 mit Erhaltungszüchtungen für das Sortenarchiv von Kultursaat (u.a. Grünkohl, Porree und Chinakohl). Zeitgleich etablierten sich am Standort die Saatgutvermehrung von verschiedenen Kulturen sowie die Erzeugung von Elitesaatgut. Als erstes eigenes Züchtungsprojekt arbeitet Robert Hahn-Godeffroy seit 2020 vertieft an Grünkohl. Methodisch wird mit positiver Massenauslese auf äußere Merkmale selektiert, gefolgt von einer sensorischen Prüfung auf Geschmack und innere Qualität.

Die enge Verflechtung der züchterischen Tätigkeit mit dem Erwerbsanbau wird als bereichernd wahrgenommen, da so z.B. direkte Rückmeldungen bezüglich Geschmack und Qualität aus der solidarischen Landwirtschaft ermöglicht werden. Zudem ist es dem Züchter ein wichtiges Anliegen, die Thematik der Erhaltung und Neuzüchtung von samenfesten Gemüsesorten durch aktive Kommunikation stärker in ein gesellschaftliches Bewusstsein zu bringen.