Philamina

Agronomische und qualitative Eigenschaften

Kleinfrüchtige Cocktail- bzw. Cherrytomate mit runden roten Früchten und einem durchschnittlichen Fruchtgewicht von 10 bis 12 Gramm. Die Früchte sind im unreifen Zustand leicht geflammt, bilden jedoch keine Grünkragen (bzw. „Gelbkappen“). Die Früchte zeichnen sich durch einen fein aromatischen, süßen Geschmack aus. Durch ein relativ festes Fruchtfleisch sind die Früchte fast völlig platzresistent und gut haltbar – das knackig-frische Kauerlebnis geht dem angenehmen Geschmackserlebnis voraus.

Die doppelt gefiederten Blätter sind feingliedrig und fest. Das Kraut ist verhältnismäßig zart, der Wuchs ist langsam und gedrungen, besonders zu Beginn. Die Sorte zeichnet sich durch eine hohe Toleranz gegenüber der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) aus.

  • Ergebnisse von Qualitätsuntersuchungen

    Die Untersuchungen mit Bildschaffenden Methoden zeigen, dass PHILAMINA im Vergleich zu den Ausgangssorten sowie zu der nicht durch Wintereingrabung behandelten Schwesterlinie, insgesamt positiv ausfällt: „Die zusätzlich untersuchte Linie C1/14 [PHILAMINA mit] Winterkräftebehandlung hat zwar eine geringere fruchtartige Substanzwirkung als die Linien C4/14 und C14/14, zeigt aber eine hohe Formintensität bei der besonders die harmonische lebendige Beweglichkeit im Vordergrund steht.“

  • Ergebnisse aus dem Versuchsanbau

    2015 und 2017 wurden Anbauversuche vom Versuchswesen der Bingenheimer Saatgut durchgeführt. In beiden Jahren wurde der Geschmack positiv bewertet. 2015 trat insgesamt im Versuch kaum Phytophthora auf und im Herbst erschien der Befall des Zuchtstamms gleich hoch zu sein wie bei anderen Sorten (falls es sich tatsächlich um Phytophthora infestans gehandelt hat). Im Jahr 2017 wurde eine hohe Toleranz gegenüber Phytophthora infestans festgestellt.

  • Züchtungsgang

    Sämtliche züchterischen Maßnahmen fanden auf dem langjährig biologisch-dynamisch bewirtschafteten Dottenfelderhof statt. Ziel war die Züchtung einer für den Freilandanbau geeigneten, wohlschmeckenden Cocktailtomate mit hoher Phytophthoratoleranz.

    Kreuzungseltern waren ein 2-maliger Nachbau aus PHILOVITA F1 und ein eigener langjähriger Nachbau der Sorte ZUCKERTRAUBE. Das Ursprungssaatgut von PHILOVITA F1 wurde 2005 aus dem Saatguthandel (Nebelung/Kiepenkerl) erworben. Das Saatgut von ZUCKERTRAUBE war ein privater Nachbau von Dorothea und Wolfgang Schaumann (erworben vermutlich ursprünglich vom Ekkharthof).

    Das Züchtungsprojekt begann mit einem zweijährigen Nachbau der Elternsorte PHILOVITA F1 in 2006 und 2007 und der anschließenden Einkreuzung der Sorte ZUCKERTRAUBE in 2007.

    Methodisches Vorgehen über die gesamte Zeit der Sortenentwicklung: Es wurde eine Linienzüchtung durchgeführt, d.h. es wurden Einzelpflanzen selektiert, beerntet und als Einzelpflanzen-Nachkommenschaften nachgebaut, aus denen wiederum Einzelpflanzen selektiert wurden. Zunächst wurde die Sorte PHILOVITA F1 nachgebaut, die 2006 und 2007 erwartungsgemäß in unterschiedliche Typen aufspaltete. 2007 wurde in eine relativ gedrungen wachsende Pflanze mit dunklen, festen Blättern (widerstandsfähiger Phänotyp) in die biologisch-dynamische Sorte ZUCKERTRAUBE eingekreuzt. 2008 bis 2017 folgte eine Linienzüchtung über 10 Generationen, während derer mehrere Zuchtlinien alternativ weitergeführt wurden. Dabei wurde in erster Linie auf Phytophthora-Toleranz und Geschmack selektiert.

    2010/2011 wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes Saatgut der F4 der jetzt vorliegenden Sorte durch Wintereingrabung im Kuhhorn zwischen Mitte November und Epiphanias behandelt („Winterkräfte-Behandlung“ auf Initiative von Dieter Bauer). Schließlich stellte sich die behandelte Zuchtlinie als die vor allem auch wegen ihrer Geschmacksqualität am besten geeignete Linie heraus.

    Die Anbaudimensionen für Selektionsbestände waren wie für Tomaten üblich. Die weitere Sortenerhaltung erfolgte durch Einzelpflanzenselektion und -nachbau zur langfristigen Sicherung der Geschmacksqualität und Phytophthora-Toleranz, d.h. jeweils Nachbau von ca. 10 Einzelpflanzen mit jeweils etwa 5-10 Pflanzen.

    Im September 2018 wurde Philamina vom Bundessortenamt gemäß Richtlinie 2009/145/EG als Amateursorte zugelassen. Die Erhaltungszucht findet durch Christoph Matthes am Dottenfelderhof statt. Die Organisation der Vermehrung und der Vertrieb des Verkaufssaatguts obliegen u. a. der Bingenheimer Saatgut AG.


Rechtlicher Status: Philamina wurde im September 2018 vom Bundessortenamt als Amateursorte gemäß Richtlinie 2009/145/EG mit der Kennung TOT 433 zugelassen.

Saatgutanbieter: Bingenheimer Saatgut

Züchter: Christoph Matthes



Sortenbiografie