Mizina

Agronomische und qualitative Eigenschaften

Mizina ist eine kräftig wachsende, gelbe, Fleischtomate für den Freilandanbau mit hoher Toleranz gegenüber der Kraut-und Braunfäule (Phytophthora infestans). Die gesunden, flachrunden, mehrkammrigen Früchte haben eine etwas festere Schale und sind sehr platzfest. Das Ertragspotenzial ist hoch mit einem durchschnittlichen Fruchtgewicht von 100-120 g. Mizina zeichnet sich durch eine mittelfrühe Reife und einen angenehm aromatischen, säurebetonten Geschmack aus. Die mindestens 190 cm hohen Pflanzen haben doppelt gefiederte Blätter und etwa sechs Trauben je Pflanze. Die Sorte ist für einen erwerbsmäßigen Freilandanbau für Marktgärtner geeignet. 

  • Ergebnisse aus dem Versuchsanbau

    Im Jahr 2023 wurde Mizina im Versuchsanbau der Bingenheimer Saatgut AG geprüft. Positiv bewertet wurden die kräftigen Pflanzen mit einem sehr guten Ertrag sowie die leuchtend gelben, harmonisch gerieften Früchte, die bei Vollreife einen Hauch von Orange zeigten (ähnlich wie Duttingold). Die Sorte zeigte außerdem eine geringere Alternaria-Anfälligkeit als Duttingold.

    Haltbarkeit nach 7 Tagen 12 % Ausschuss, nach 10 Tagen weitere 12% und der Rest ist deutlich weicher geworden. In der Sensorikuntersuchung wurde das Süße/Säure-Verhältnis von Mizina als eher ausgewogen beschrieben, wobei die Intensität der Säure auf mittlerem Niveau lag. Das Aroma wurde als langanhaltend und gleichzeitig wenig intensiv wahrgenommen mit überwiegend tomatengrünen und teilweise grün/grasig/kräuterartigen Nuancen. Die Probe wurde unterschiedlich lecker empfunden: teilweise gering, teilweise sehr lecker. Durchweg zeigte sich eine feste Textur und eine starke Saftigkeit bei mittlerer bis dicker Haut. Das Mundgefühl war sehr angenehm.

  • Züchtungsgang

    Das Züchtungsprojekt startete 2012 mit dem primären Ziel einer Phytophthora-toleranten, roten Fleischtomatensorte. Dafür wurden Dorenia und ein langjähriger Nachbau der Sorte Royale des Guineaux in den Nachbau von zwei asiatischen Fleischtomatenlinien eingekreuzt. Das Ausgangssaatgut stammte aus eigener Erhaltungszüchtung (Dorenia), von der Firma Ferme de Sainte Marthe (Royale des Guineaux) sowie aus Probesaatgut eines Züchterkollegen (asiatische Fleischtomatenzuchtstämme). 

    2013 traten in der F1 überraschend gelbfrüchtige Typen auf. Daraus ließ sich schließen, dass sich bereits 2011, im Versuchsanbau der asiatischen Fleischtomatenzuchtstämme, die benachbart angebaute, gelbe Tomatensorte Clou (aus züchterischer Weitergabe von Dreschflegel e.V.) unbeabsichtigt eingekreuzt haben musste. Fleischtomaten haben eine im Vergleich zu anderen Tomatentypen relativ offene Blüte und weisen daher eine Tendenz zur Fremdbestäubung auf. Der weitere Züchtungsgang bestand über sieben Jahre (2014 - 2021) jeweils in der Selektion von Einzelpflanzen und deren Nachbau in Einzelpflanzen-Nachkommenschaften in rotfrüchtigen und gelbfrüchtigen Zuchtlinien. 

    Neben den aus den Kreuzungen stammenden Linien wurden alle vier asiatischen Fleischtomatenzuchtstämme Jahr für Jahr in kleinerem Umfang nachgebaut und selektiert. Diese veränderten sich durch wiederholte spontane Einkreuzungen aus den benachbarten Zuchtlinien teilweise erheblich. So entstanden bei diesen Nachkommenschaften neben den rotfrüchtigen auch gelbfrüchtige Zuchtlinien. Die Sorte Mizina geht auf eine im Jahr 2015 selektierte Einzelpflanze aus einer dieser Linien zurück, in die zu Züchtungsbeginn nicht gezielt eingekreuzt worden war. 

    Insgesamt wurden acht gelbfrüchtige Zuchtstämme bearbeitet. Diese wurden 2019 in ein Projekt mit drei großfrüchtigen Fleischtomatenlinien und ein Projekt mit fünf Salattomatenlinien (mit 2-3-kammrigen Früchten) aufgeteilt. Beide Projekte wurden in Linienzüchtung weitergeführt, d.h. durch Einzelpflanzenselektionen (jeweils mindestens zehn Pflanzen) und Nachkommenschaftsprüfungen (mit jeweils vier bis acht Pflanzen). 

    Die Sorte Mizina wurde innerhalb des Fleischtomatenprojekts bearbeitet. Hierbei bestand das Zuchtziel in der Entwicklung einer Phytophthora-toleranten Sorte für den Freilandanbau mit möglichst platzfesten Früchten von über 80 g Fruchtgewicht und hoher Geschmacksqualität. Da gelbfrüchtige Tomaten tendenziell wenig Säure aufweisen, wurde bei der Geschmacksselektion auf einen genügend großen Säureanteil und ein ausgewogenes Süße/Säure-Verhältnis geachtet. 

    Anbau, Selektion und Samenbau fanden während des gesamten Züchtungsganges auf den langjährig biologisch-dynamisch bewirtschafteten Flächen des Dottenfelderhofes statt.

    Die Sorte Mizina wurde im März 2026 vom Bundessortenamt als Amateursorte gemäß Richtlinie 2009/145/EG zugelassen. Die Erhaltungszucht findet durch Christoph Matthes am Dottenfelderhof statt. Die Organisation der Vermehrung und der Vertrieb des Verkaufssaatguts obliegen u. a. der Bingenheimer Saatgut AG.


Rechtlicher Status: Mizina wurde im März 2026 vom Bundessortenamt als Amateursorte gemäß Richtlinie 2009/145/EG mit der Kennung TOT 475 zugelassen.

Saatgutanbieter: Bingenheimer Saatgut

Züchter: Christoph Matthes