Verdil
Agronomische und qualitative Eigenschaften
VERDIL ist eine zweihäusige Sorte für den Herbst- bis frühen Frühjahrsanbau; sie ist schnellwüchsig und ertragreich. Die Blätter sind von einem helleren Grün und bilden große, volle Rosetten mit typischen, spitz zulaufenden Gänsefuß-Spinatblättern. VERDIL gilt als zart und sehr schmackhaft.
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Züchtungsgang
Die Züchtung dieser Sorte fand auf dem Hofgut Rengoldshausen in Überlingen am Bodensee statt, einem seit 1932 biologisch-dynamisch wirtschaftenden Betrieb mit Demeter-Anerkennung. Durch Kontakt mit dem ersten professionellen biologisch-dynamischen Gemüsezüchter Ilmar Randuja (Schweiz) kam VERDIL als alte schweizerische Sorte Anfang der 80er Jahre in den Betrieb. Da sie in Wüchsigkeit, Gesundheit und Geschmack sehr ansprechend war, wurde Ende der 80er Jahre begonnen, über systematische Auslese auf ein bestimmtes Sortenbild hin zu arbeiten. Ziel war es, die Schossfestigkeit zu verbessern und dafür auch das Verhältnis von Samenpflanzen zu Staubblütenpflanzen in Richtung der ersteren zu verschieben. VERDIL gehört zu den klar zweihäusigen Spinatsorten, bei welchen über Sortenvergleiche im Schnitt ein 1/1 Verhältnis von Staubblüten- zu Samenpflanzen festgestellt worden war.
Ein bestimmter Typ von Staubblüten schosst besonders früh. Um diesen noch früher erkennen zu können, wurden in allen Entwicklungsstadien der Pflanzen Blattreihen gelegt, um anhand der Blattmetamorphosen selektieren zu können. Außerdem zeigte die Beobachtung, dass die Witterung im Jungpflanzenstadium für das spätere Blühverhalten der Pflanzen eine ausschlaggebende Rolle spielt: bei Trockenheit und zeitig warmer Witterung ist der Anteil der Staubblütenpflanzen höher, bei kühler, feuchter Witterung der Anteil der Samenpflanzen.
Der Grundtypus der späteren Samenpflanzen ist wesentlich rosettenartiger als der Grundtypus der Staubblütenpflanzen. Bei ersteren finden sich die Blätter bis zur Spitze rosettenartig angeordnet, während bei letzteren sich der Blütenstängel mit den Staubblüten klar über der Blattregion absetzt. Wie es sich bei dem Studium der Blattmetamorphose ergab, kommt es bei diesen Staubblütentypen von Anfang an auch nicht zu so ausgeprägter Blattrosette. Da aber auch bei den Staubblütenpflanzen den Samenpflanzen ähnliche Typen vorkommen, wurde versucht, durch Früherkennung den reinen Staubblütentypus auszumerzen. Die gewünschten, bis in die Blüte rosettenartigen Pflanzen werden von der Züchterin als „Fruchttypen“ bezeichnet.
Im Jahr 1992 wurde VERDIL beim Bundessortenamt angemeldet. Da VERDIL der alten Sorte „Winterriesen“ in wichtigen Merkmalen entsprach, wurde sie im Jahr 1994 als eigener Stamm von „Winterriesen“ anerkannt. Die Erhaltungszucht findet unter biologisch-dynamischen Bedingungen im Betrieb Samenbau Rengoldshausen, Betriebszweig des Hofgutes Rengoldshausen, am Ralzhof in Salem durch Vera Becher statt. Die Organisation der Vermehrung sowie der Vertrieb des Verkaufsaatgutes obliegen u. a. der Bingenheimer Saatgut AG.
Rechtlicher Status: Verdil wurde nach Registerprüfung im Jahr 1992 durch das Bundessortenamt mit der Kennung SPI 115 zugelassen.
Saatgutanbieter: Bingenheimer Saatgut, Sativa Rheinau, ReinSaat
Züchterin: Brigitte von Wistinghausen
Sortenbiografie

