Sebastian Vornhecke
Vatterode, Thüringen

„Die Frage hinter der Frage hat mich vom Gemüseanbau über die Saatgutvermehrung zur Züchtung getragen, um nun biologischdynamische Gemüsesorten im Zusammenspiel mit der Natur zu entwickeln, ohne diese beherrschen oder zwingen zu wollen.“
DER BETRIEB
Der im Jahr 2010 in Vatterode gegründete Demeter-Betrieb Walsegarten liegt in der malerisch hügeligen Landschaft des thüringischen Eichsfeldes etwa 30 km südlich von Göttingen. Die Hilfsbereitschaft der Nachbarbetriebe und der Dorfbewohner Vatterodes haben die schwierige Phase des Betriebsaufbaus maßgeblich erleichtert. Die tonigen Lehme der sich abwechselnden Buntsandstein- und Muschelkalk-Verwitterungsböden bieten auf den meist hängigen Ackerflächen (15 ha) recht unterschiedliche Bedingungen für die angebauten Kulturen. Für den geschützten Anbau stehen 3.600 m² Folientunnelfläche zur Verfügung. Die Kernkompetenzen des Betriebes sind die Vermehrung samenfester Gemüsesorten, Kräuter und Blumen (60 % des Umsatzes) und die biologisch-dynamische Gemüsezüchtung (30 % des Umsatzes). Im Rahmen der Gemüsevermarktung, die etwa 10 % ausmacht, können sich die Zuchtlinien von Buschbohnen, Paprika, Steckrüben, Salat und Löwenzahn unter realen Bedingungen unter den Augen des Züchters bewähren. Außerdem bietet dieser Absatzweg die Möglichkeit, größere Selektionsbestände anzubauen.
DER ZÜCHTER
Sebastian Vornhecke, geboren 1976 in Essen, ist gelernter Landwirt, Gartenbaumeister für Gemüse und hat die Fortbildung in biologisch-dynamischer Gemüsezüchtung absolviert.
ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Nachdem Sebastian Vornhecke von Thomas Heinze die Erhaltungszüchtungen der Buschbohnensorte Maxiund der Rotkohlsorte Amarantübernommen hatte, begann er im Jahr 2015 mit einem ersten Neuzüchtungsprojekt im Bereich Rotkohl. Sowohl die positive Massenauslese aus älteren Sorten als auch Kreuzungen stehen hier am Anfang. Über wiederholte Lagerversuche und Geschmacksselektion soll eine biologisch-dynamische, charakterstarke Rotkohlsorte für die späte Lagerperiode entstehen. Die Selektion von Kopfkohl erfolgt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit einem größeren Kohlanbaubetrieb in Norddeutschland. Aus der züchterischen Arbeit an Steckrüben haben inzwischen die grünköpfige Simonaund die rotköpfige Hedwigihren Weg in die Welt gefunden. Neben Geschmack, Bekömmlichkeit und Lagerfähigkeit stand hier die Putzbarkeit als Zuchtziel im Vordergrund. Durch Anlage neuer Kreuzungen soll noch mindestens eine weitere Sorte in diesem Segment folgen. Intensiv wird auch an einer Buschbohnensorte des Gluckentyps mit dunkelgrünen Hülsen, an Buschhokkaido, rotem Blockpaprika für den Freilandanbau, Salat und Löwenzahn gearbeitet. Bei allen Kulturen ist die Geschmacksselektion grundlegender Bestandteil der Arbeit.
