Silke Wedemeyer
Sudershausen, Niedersachsen

„Mit allen Sinnen sorgsam selektieren, daraus samenfeste Sorten entwickeln mit harmonischen äußerlichen und innerlichen Qualitäten und so unsere Ernährungssouveränität und -zukunft sichern.“
DER BETRIEB
Kulturpflanzenvielfalt und -entwicklung ist ein großes Anliegen im Familienbetrieb Wedemeyer. Der Betrieb findet sich nordöstlich von Göttingen im schön gelegenen Westerhöfer Bergland auf Buntsandsteinverwitterungsböden mit durchschnittlich 650 mm Jahresniederschlag. 2025 ist die Betriebsleitung in die nächste Generation gegeben worden und zeitgleich konnte die Betriebsfläche auf 12 ha verdoppelt werden, weiterhin dem Demeter-Verband angeschlossen. Betrieblicher Schwerpunkt ist die Neuzüchtung von Gemüsesorten in den Kulturen Knollenfenchel, Tomate, Zucchini und Zwiebeln im Rahmen des Kultursaat-Netzwerkes bzw. des Collabo-Tomaten-Netzwerkes. Mehrere Tomatensorten - Trixi, Goldianaund Bellarubin- sind bereits aus der Züchtungsarbeit hervorgegangen, die Zwiebelsorte Rose de Keruelwurde weiterentwickelt und durch das Bundessortenamt zugelassen und die Herbstfenchelsorte Sampokonnte den Weg in die Praxis finden. Für die Bingenheimer Saatgut wird für verschiedene Sorten von Tomate, Fenchel, Zwiebel, Kürbis und Schnittlauch die Sortenerhaltung verantwortet und es wird auch Gemüsesaatgut vermehrt. Der hofeigene Gemüse- und Getreideanbau befinden sich in Neuentwicklung. Derzeit ist der Betrieb auch Projektpartner in mehreren vom Bund geförderten Verbundprojekten in den Kulturen Zucchini und Tomate.
DIE ZÜCHTERIN
Silke Wedemeyer ist schon lange im Bereich Pflanzenzüchtung tätig. Zuerst als landwirtschaftlich-technische Assistentin im Bereich Leguminosenzüchtung, dann folgte das Studium der Pflanzenzüchtung an der Universität Göttingen, was züchterische Erfahrungen in vielen weiteren Kulturen ermöglichte. Es entwickelten sich kleinere, eigenständige Züchtungsarbeiten, darunter Hofsortenselektionen bei Tomaten im eigenen Betrieb und seit 2014 werden Züchtungsprojekte bei Kultursaat bearbeitet.
ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Zwei wichtige Pfeiler des züchterischen Konzeptes sind einerseits die stetige Verfeinerung des Züchterblickes an den bearbeiteten Kulturen, auf der anderen Seite die stetig wachsende Vernetzung mit anderen Züchtern und Zuchtstandorten, um Linien auszutauschen und gemeinsam zu beurteilen und so die vorhandenen Ressourcen und verschiedenen Umwelten optimaler zu nutzen. Durch den Aufbau des kollaborativen Tomatennetzwerkes (Collabo) mit breitem Linien- und Erfahrungsaustausch konnte ein länderübergreifendes, vielortiges Züchtungsprogramm etabliert werden. Aus einem Geflecht der Mitarbeit in verschieden ausgerichteten Arbeitsgruppen und Gemeinschaftsprojekten fließen fruchtbare und schöpferische Impulse in die eigene Arbeit am Hof zurück. Die züchtungsforscherische Arbeit an meditativen Methoden der Pflanzenwahrnehmung konnte einen tieferen, wesensgemäßen Zugang zu den Pflanzen ermöglichen. So sind neben den klassisch züchterischen Selektionsmethoden auch biologisch-dynamische Ansätze wie Behandlungen mit Eurythmie oder Winterkräften züchterischer Alltag. Darüber hinaus konnte im Rahmen eines Verbundprojektes sehr komplex und zielführend an einem vertieften Verständnis von genau dieser Art der Pflanzenverwandlung gearbeitet werden.
