Silke Wedemeyer
Sudershausen, Niedersachsen

„Mit allen Sinnen sorgsam selektieren, um samenfeste Sorten mit harmonischen äußerlichen und innerlichen Qualitäten zu entwickeln und so unsere Ernährungssouveränität und -zukunft sichern.“
DER BETRIEB
Kulturpflanzenvielfalt und -entwicklung ist ein großes Anliegen im Familienbetrieb Wedemeyer. Die ca. 6 ha Betriebsfläche wird bereits seit 1950 biologisch bewirtschaftet, seit 2014 biologisch-dynamisch. Der Betrieb befindet sich im schön gelegenen Westerhöfer Bergland nördlich von Göttingen auf Buntsandsteinverwitterungsböden mit durchschnittlich 650 mm Jahresniederschlag.
Den betrieblichen Schwerpunkt bilden Neuzüchtung von Gemüsesorten, Sortenerhaltung und Saatgutvermehrung. So wird im Rahmen des Kultursaat-Netzwerkes züchterisch an den Kulturen Knollenfenchel, Tomate, Zwiebel und Zucchini gearbeitet. Weiter werden Kürbis, Mangold, Schnittlauch und Tomaten für die Bingenheimer Saatgut AG vermehrt und erhaltungszüchterisch bearbeitet. Daneben gibt es einen kleinen Marktgemüseanbau und etwas Getreide und Grünland.
DIE ZÜCHTERIN
Silke Wedemeyer ist schon lange im Bereich Pflanzenzüchtung tätig. Mit einer technischen Ausbildung im Bereich Pflanzenzüchtung begann die züchterische Laufbahn, es folgten weitere Jahre züchterischer Tätigkeit im Bereich Leguminosenzüchtung und schließlich das Studium der Pflanzenzüchtung an der Universität Göttingen. Im eigenen Gemüsebaubetrieb begannen kleinere eigenständige Züchtungsarbeiten, darunter Hofsortenselektion bei Tomaten. Es reiften goetheanistische und anthroposophische Ansätze, die der Züchterin einen tiefgehenden Zugang zu den Pflanzen ermöglichten.
ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Zwei wichtige Pfeiler des züchterischen Konzeptes sind einerseits die stetige Verfeinerung des Züchterblickes an den bearbeiteten Kulturen, andererseits die stetig wachsende Vernetzung mit anderen Züchtern und Zuchtstandorten, um Linien auszutauschen und gemeinsam zu beurteilen. Aus der Teilnahme in verschiedenen Arbeitsgruppen fließen fruchtbare und schöpferische Impulse in die eigene Arbeit zurück. So wurden im Rahmen des vom Bund geförderten Projektes ProZucchini die Untersuchung von Sorte-Umweltinteraktionen möglich sowie die gemeinsame Weiterentwicklung von sensorischen Tests. Durch den Aufbau eines kollaborativen Tomatennetzwerks konnten vielortige, internationale Sichtungen ein breites Sortenund Linienspektrum für sinnvolle Kreuzungseltern beschreiben. Durch züchtungsforscherische Arbeit an meditativen Methoden konnte das innere Wesensbild des Knollenfenchels tief erschlossen werden und der methodische Ansatz für weitere Kulturen genutzt werden. Neben den klassischen Selektionsmethoden sind Behandlungen mit Eurythmie oder Winterkräften züchterischer Alltag.
Aus der Neuzüchtung am Hof konnten bereits die Cherry-Tomaten Trixi und Goldiana sowie die Salat-Tomate Bellarubin zugelassen werden und den Weg in die Praxis finden. Die Zwiebel Rose de Keruel befindet sich in der Anmeldung.
